Atomwahnsinn und kein Ende!
Reichen die Katastrophen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) wirklich noch nicht? Das ungelöste Problem der Endlagerung? Klar ist, dass die Technik die Atomkraft nicht zu 100 Prozent kontrollierbar ist. Nach dem VorstoĂ fĂŒr den Neubau von AKWs durch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel âIm Dienst der Atomlobby?â:
EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen hat kĂŒrzlich gemeint, das Aus fĂŒr die Atomkraft sei ein âstrategischer Fehlerâ gewesen.
In Frankreich, Schweden und Tschechien sehen das die jeweiligen Regierungen genauso. Und in Deutschland sind es mit CDU/CSU, AfD und FDP gleich mehrere Parteien, die zurĂŒck zur Atomkraft wollen.
Ihr Hauptargument: Atomstrom sei gĂŒnstig zu haben. Von der Atom-Lobby unabhĂ€ngige Fachleute sehen das anders. Wer vom billigen Atomstrom rede, streue den Menschen Sand in die Augen. Atomkraft ist nĂ€mlich hoch subventioniert: direkte Finanzhilfen, SteuervergĂŒnstigungen, Ăbernahme der Folgekosten, Mindeststrompreise, gĂŒnstige Staatskredite, AusfallbĂŒrgschaften usw. Ohne diese UnterstĂŒtzungen wĂ€ren Kernkraftwerke wirtschaftlich nicht zu betreiben.Staatliche Stellen bestĂ€tigen das: das deutsche Umweltbundesamt, das Bundesamt fĂŒr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung oder der wissenschaftliche Dienst im deutschen Parlament. Dabei sind Kosten wie die ungeklĂ€rte AtommĂŒll-Endlagerung noch nicht einmal eingerechnet. Das sind âEwigkeitslastenâ, fĂŒr die sich nachfolgende Generationen wohl nicht allzu herzlich bedanken werden.
Das Forum Ăkologisch-Soziale Marktwirtschaft hat auf Basis internationaler Studien errechnet, dass der echte Preis fĂŒr Atomstrom bei etwa 42 Cent pro kWh liegt. Und auch da ist das Sicherheitsrisiko noch gar nicht eingerechnet, denn kein Versicherungskonzern ĂŒbernimmt die volle Haftung, sondern zahlt nur fĂŒr SchĂ€den bis zu 2,5 Milliarden. GroĂe UnfĂ€lle verursachen aber Kosten von hunderten Milliarden.
Macht die Atomkraft wenigstens die Stromversorgung sicherer? Nicht nur der heurige Sommer lehrt uns das Gegenteil. Seit Anfang Juni mĂŒssen in Frankreich â wie schon in den letzten Jahren â reihenweise Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Die FlĂŒsse fĂŒhren aufgrund der Trockenheit zu wenig und zur KĂŒhlung zudem zu warmes Wasser.
Ăbrigens: In SĂŒdfrankreich musste sogar ein groĂes Gas-Kraftwerk mit einer Leistung von 930 Megawatt vom Netz genommen werden, weil das aus dem Mittelmeer entnommene KĂŒhlwasser ebenfalls zu warm war. Zum Vergleich: Das derzeit leistungsstĂ€rkste Illwerke-Kraftwerk hat eine Engpassleistung von 525 Megawatt.
ErdwĂ€rme, Wind- und Solarenergie sind dagegen schon kurzfristig rentabel, im Betrieb ungefĂ€hrlich, verringern die AbhĂ€ngigkeiten von unsicheren Transportwegen sowie den Launen von Mullahs und Ălscheichs. Sie sind schon kurzfristig rentabel. Bei Photovoltaik und Windkraft liegen die echten Stromgestehungskosten je nach GröĂe der Anlage inklusive Förderungen und RĂŒckbau sowie Recycling bei sechs bis zwölf Cent pro kWh. Wessen Interesse vertritt also Ursula von der Leyen, wenn sie das Aus fĂŒr die Atomkraft als strategischen Fehler bezeichnet? Die der Bevölkerung? Oder die der Atomlobby?
WĂ€hrend in Deutschland darĂŒber diskutiert wird, ob die AfD wegen ihrer politischen Ausrichtung und Praxis verboten werden soll oder muss, hat sich deren Schwesterpartei FPĂ in den heimischen Machtstrukturen fest etabliert und arbeitet an der âZerstörung des Systemsâ – so jedenfalls Bundeskanzler Christian Stocker. Interessanterweise stört ihn nicht, dass die Partei in fĂŒnf Landesregierungen mit seiner ĂVP koaliert. Unter ganau diesem Titel habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:
Herbert Kickl weiĂ nicht, warum das Wort âRemigrationâ âso böse sein sollâ. Ihm kann geholfen werden. Er ist kein Nazi, seine Sprache bereitet der extremen Rechten aber den Boden. Unter dem Titel âVergiftete Spracheâ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar geschrieben: