27. August 2026

Problem Industriellenvereinigung

2026-08-27T17:50:24+02:0027.08.26, 17:50 |Kategorien: Klima und Umwelt|Tags: , |

Ist die Industrie auf Abwegen oder ist es „nur“ die Industriellenvereinigung? Dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Industrie auf Abwegen?“

Viele österreichische Industriebetriebe gehören in Sachen Klimaschutz zu den Vorzeigeunternehmen: Stahlproduzent „voestalpine“ war einer der größten Emittenten von CO2, heute ist ihr Projekt „0 % CO2-Emissionen bis 2035“ weit fortgeschritten, Infineon ist mit energieeffizienten Mikrochips ebenso erfolgreich wie Lenzing mit umweltfreundlichen Cellulosefasern usw. Das rentiert sich auf Dauer und erhöht zudem künftig die Chancen am Markt.

Nicht alle sind so weitsichtig. Der Präsident der Industriellenvereinig (IV) sieht wegen des Klimagesetzes gar den Industriestandort Österreich in Gefahr, warnt vor „Klimafreaks“ und findet Dürrehilfen für Bauern „verstörend“. Man kann Georg Knill die Angst nehmen: „Klimafreaks“ gibt es in dieser Regierung nicht und das angekündigte Gesetz ist weitgehend zahnlos.

Was also stört ihn? Es ist wohl das reichlich vage Bekenntnis der Regierung zur Klimaneutralität bis 2040! Knill spricht von einer „Übererfüllung von EU-Vorgaben“ („Gold Plating“). Dabei verfehlt Österreich die für das Jahr 2030 vorgesehenen Zwischenziele deutlich und es drohen hohe Milliardenstrafen. Lieber Strafe zahlen statt in den Klimaschutz investieren und die Situation verbessern?

Knill ignoriert zudem, dass die Großindustrie vom Ziel 2040 gar nicht betroffen ist, denn das betrifft nur Wirtschaftssektoren wie den Verkehr, die Landwirtschaft, das Gewerbe usw. Große Industriebetriebe und der Energiesektor sind bis 2050 ausgenommen und betreiben für den Ausstoß von Treibhausgasen Emissionshandel.

Kein Klimaschutz ist das, was wirklich teuer zu stehen kommt. Die schlimmste Dürre seit Beginn der Aufzeichnungen kostet Europa allein heuer bis zu 180 Milliarden: riesige Waldbrände, Überflutungen, der Warentransport auf Flüssen wie dem Rhein und der Donau war wegen Niedrigwasser kaum mehr möglich, Atomkraftwerke mussten reihenweise abgeschaltet werden … In Österreich rettete die Photovoltaik die Stromversorgung, legte um 54 Prozent zu und erzeugte 28 Prozent des Gesamtbedarfs.

Dem IV-Präsidenten geht es offenkundig um etwas anderes: Er will die Regierung sprengen und die angeblich „wirtschaftsfeindlichen“ „Roten“ auf der Oppositionsbank sehen. Schon 2025 zeigte er sich wegen der gescheiterten Regierungsverhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP – wörtlich – „entsetzt“. Knill wollte einen Kanzler Kickl. Für den gibt es wie für ihn keine Klimakrise. Gegenmaßnahmen sind somit nicht nötig.

Die Vorsitzende der FPÖ-Schwesterpartei AfD hat am Wochenende die FPÖ besucht und bei einem Wahlsieg ein Ende von „diesem ganzen Zeugs“ mit dem Klimaschutz gesprochen – garniert mit einem raus aus Euro und Schengen-Raum.

So eine „Krot“ aber will weder ein Großteil der Bevölkerung schlucken noch die meisten Industriellen. Die Industrie ist nicht auf Abwegen, aber ihre Vertretung!

14. August 2026

Zerstören „Wutbürger“ die Demokratie?

2026-08-14T11:51:50+02:0014.08.26, 11:48 |Kategorien: Gesellschaft|Tags: , |

In Deutschland könnte es im September ernst werden: Die AfD ist im Bundesland Sachsen-Anhalt drauf und dran, die absolute Mehrheit zu erobern. Ratlosigkeit macht sich breit. Krisen allerorten – und dann auch noch die rechtsextremen  Profiteure! „Was tun gegen Wutbürger?“ – dazu mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten:

Chaotische Parteien und Politiker, denen eigentlich kaum ein vernünftiger Mensch die Führung eines Staates anvertrauen kann, gewinnen reihenweise Wahlen: Donald Trump in den USA, die AfD in Deutschland, Marine Le Pen in Frankreich, Javier Milei in Argentinien … Die Liste ließe sich fortsetzen.

In Österreich ist der FPÖ sogar „schon das Thermometer zu links“, spottet SPÖ-Klubobmann Philip Kucher zurecht. Auf der FPÖ-„Heimseite“ war von nur „angeblichen Hitzetoten“ und „Hitze-Panik als Ablenkung vom Impf-Desaster der Systemparteien“ zu lesen. War es also doch das von Herbert Kickl empfohlene Pferdeentwurmungsmittel, mit dem die Corona-Pandemie überwunden wurde?

Rechtspopulisten und Rechtsextreme können anscheinend machen, was sie wollen: ihre Zustimmungswerte steigen. Daran ändern weder skurrile Vorschläge noch Nazi-Parolen etwas, auch nicht üppige Champagner- und Kaviar-Gelage auf Kosten der Steuerzahler sowie empathieloser Umgang mit den Schwächsten der Gesellschaft, interne Streitigkeiten oder die unzähligen Korruptionsfälle.

Das ist mehr als nur eine Herausforderung für den demokratischen Staat und die liberale Gesellschaftsordnung. Wer Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens bricht, geschriebene wie ungeschriebene Gesetze missachtet und Lügen verbreitet, die lebensbedrohende Klimakrise als „grüne Spinnerei“ abtut, will gar keine politischen Lösungen und Alternativen anbieten. Er setzt ganz bewusst auf jene stark steigende Zahl von „Wutbürgern“, denen all das völlig egal ist. Für sie sind Wahlen eine Art Triebabfuhr für aufgestauten Zorn.

Es ist absurd, aber die neoliberalen Steuervorschläge der meisten Rechtsparteien vergrößern sogar den Zorn jener Wutbürger, die diese Parteien dann wählen. Denn dort, wo sie umgesetzt werden, ist das Ergebnis eindeutig: Das Ungleichgewicht zwischen 95 Prozent der Bevölkerung und den restlichen fünf Prozent Reichen und Superreichen wird größer. Zum Beispiel in den USA, wo Donald Trump Politik vor allem für sich selbst, Reiche und Superreiche betreibt. Es ist ein mehr oder weniger ungezähmter Kapitalismus.

Max Horkheimer, führender Kopf der „Frankfurter Schule“, hat nach dem Zweiten Weltkrieg gemeint, der Faschismus sein kein „Betriebsunfall“ der Demokratie gewesen, sondern die logische Konsequenz des ungezähmten Kapitalismus der 20er-Jahre. Steuern wir wieder darauf zu? Und was hilft dagegen?

Ein klein wenig Hoffnung machen ausgerechnet die USA, wo fortschrittliche Politiker:innen reihenweise Vorwahlen mit kapitalismuskritischen Programmen gewinnen, Spanien, wo Pedro Sánchez den Zumutungen Trumps Paroli bietet, oder Brasilien, wo Präsident Lula da Silva ernst macht mit dem Klimaschutz, Millionen Armen unter die Arme greift, die Schulpflicht durchsetzt usw. Soziale Marktwirtschaft als Mittel gegen „Wutbürger“!

30. Juli 2026

Atomwahnsinn und kein Ende!

2026-07-30T18:21:20+02:0030.07.26, 18:18 |Kategorien: Klima und Umwelt|Tags: , , |

Reichen die Katastrophen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) wirklich noch nicht? Das ungelöste Problem der Endlagerung? Klar ist, dass die Technik die Atomkraft nicht zu 100 Prozent kontrollierbar ist. Nach dem Vorstoß für den Neubau von AKWs durch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Im Dienst der Atomlobby?“:

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat kürzlich gemeint, das Aus für die Atomkraft sei ein „strategischer Fehler“ gewesen.

In Frankreich, Schweden und Tschechien sehen das die jeweiligen Regierungen genauso. Und in Deutschland sind es mit CDU/CSU, AfD und FDP gleich mehrere Parteien, die zurück zur Atomkraft wollen.

Ihr Hauptargument: Atomstrom sei günstig zu haben. Von der Atom-Lobby unabhängige Fachleute sehen das anders. Wer vom billigen Atomstrom rede, streue den Menschen Sand in die Augen. Atomkraft ist nämlich hoch subventioniert: direkte Finanzhilfen, Steuervergünstigungen, Übernahme der Folgekosten, Mindeststrompreise, günstige Staatskredite, Ausfallbürgschaften usw. Ohne diese Unterstützungen wären Kernkraftwerke wirtschaftlich nicht zu betreiben.

Staatliche Stellen bestätigen das: das deutsche Umweltbundesamt, das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung oder der wissenschaftliche Dienst im deutschen Parlament. Dabei sind Kosten wie die ungeklärte Atommüll-Endlagerung noch nicht einmal eingerechnet. Das sind „Ewigkeitslasten“, für die sich nachfolgende Generationen wohl nicht allzu herzlich bedanken werden.

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hat auf Basis internationaler Studien errechnet, dass der echte Preis für Atomstrom bei etwa 42 Cent pro kWh liegt. Und auch da ist das Sicherheitsrisiko noch gar nicht eingerechnet, denn kein Versicherungskonzern übernimmt die volle Haftung, sondern zahlt nur für Schäden bis zu 2,5 Milliarden. Große Unfälle verursachen aber Kosten von hunderten Milliarden.

Macht die Atomkraft wenigstens die Stromversorgung sicherer? Nicht nur der heurige Sommer lehrt uns das Gegenteil. Seit Anfang Juni müssen in Frankreich – wie schon in den letzten Jahren – reihenweise Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Die Flüsse führen aufgrund der Trockenheit zu wenig und zur Kühlung zudem zu warmes Wasser.

Übrigens: In Südfrankreich musste sogar ein großes Gas-Kraftwerk mit einer Leistung von 930 Megawatt vom Netz genommen werden, weil das aus dem Mittelmeer entnommene Kühlwasser ebenfalls zu warm war. Zum Vergleich: Das derzeit leistungsstärkste Illwerke-Kraftwerk hat eine Engpassleistung von 525 Megawatt.

Erdwärme, Wind- und Solarenergie sind dagegen schon kurzfristig rentabel, im Betrieb ungefährlich, verringern die Abhängigkeiten von unsicheren Transportwegen sowie den Launen von Mullahs und Ölscheichs. Sie sind schon kurzfristig rentabel. Bei Photovoltaik und Windkraft liegen die echten Stromgestehungskosten je nach Größe der Anlage inklusive Förderungen und Rückbau sowie Recycling bei sechs bis zwölf Cent pro kWh. Wessen Interesse vertritt also Ursula von der Leyen, wenn sie das Aus für die Atomkraft als strategischen Fehler bezeichnet? Die der Bevölkerung? Oder die der Atomlobby?

Wofür ich stehe?

Ich stehe für soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles über meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, Anträge und Ausschussarbeit.


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