30. Juli 2026

Atomwahnsinn und kein Ende!

2026-07-30T18:21:20+02:0030.07.26, 18:18 |Kategorien: Klima und Umwelt|Tags: , , |

Reichen die Katastrophen von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) wirklich noch nicht? Das ungelöste Problem der Endlagerung? Klar ist, dass die Technik die Atomkraft nicht zu 100 Prozent kontrollierbar ist. Nach dem Vorstoß fĂŒr den Neubau von AKWs durch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen mein Kommentar in den Vorarlberger Nachrichten unter dem Titel „Im Dienst der Atomlobby?“:

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen hat kĂŒrzlich gemeint, das Aus fĂŒr die Atomkraft sei ein „strategischer Fehler“ gewesen.

In Frankreich, Schweden und Tschechien sehen das die jeweiligen Regierungen genauso. Und in Deutschland sind es mit CDU/CSU, AfD und FDP gleich mehrere Parteien, die zurĂŒck zur Atomkraft wollen.

Ihr Hauptargument: Atomstrom sei gĂŒnstig zu haben. Von der Atom-Lobby unabhĂ€ngige Fachleute sehen das anders. Wer vom billigen Atomstrom rede, streue den Menschen Sand in die Augen. Atomkraft ist nĂ€mlich hoch subventioniert: direkte Finanzhilfen, SteuervergĂŒnstigungen, Übernahme der Folgekosten, Mindeststrompreise, gĂŒnstige Staatskredite, AusfallbĂŒrgschaften usw. Ohne diese UnterstĂŒtzungen wĂ€ren Kernkraftwerke wirtschaftlich nicht zu betreiben.

Staatliche Stellen bestĂ€tigen das: das deutsche Umweltbundesamt, das Bundesamt fĂŒr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung oder der wissenschaftliche Dienst im deutschen Parlament. Dabei sind Kosten wie die ungeklĂ€rte AtommĂŒll-Endlagerung noch nicht einmal eingerechnet. Das sind „Ewigkeitslasten“, fĂŒr die sich nachfolgende Generationen wohl nicht allzu herzlich bedanken werden.

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hat auf Basis internationaler Studien errechnet, dass der echte Preis fĂŒr Atomstrom bei etwa 42 Cent pro kWh liegt. Und auch da ist das Sicherheitsrisiko noch gar nicht eingerechnet, denn kein Versicherungskonzern ĂŒbernimmt die volle Haftung, sondern zahlt nur fĂŒr SchĂ€den bis zu 2,5 Milliarden. Große UnfĂ€lle verursachen aber Kosten von hunderten Milliarden.

Macht die Atomkraft wenigstens die Stromversorgung sicherer? Nicht nur der heurige Sommer lehrt uns das Gegenteil. Seit Anfang Juni mĂŒssen in Frankreich – wie schon in den letzten Jahren – reihenweise Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Die FlĂŒsse fĂŒhren aufgrund der Trockenheit zu wenig und zur KĂŒhlung zudem zu warmes Wasser.

Übrigens: In SĂŒdfrankreich musste sogar ein großes Gas-Kraftwerk mit einer Leistung von 930 Megawatt vom Netz genommen werden, weil das aus dem Mittelmeer entnommene KĂŒhlwasser ebenfalls zu warm war. Zum Vergleich: Das derzeit leistungsstĂ€rkste Illwerke-Kraftwerk hat eine Engpassleistung von 525 Megawatt.

ErdwĂ€rme, Wind- und Solarenergie sind dagegen schon kurzfristig rentabel, im Betrieb ungefĂ€hrlich, verringern die AbhĂ€ngigkeiten von unsicheren Transportwegen sowie den Launen von Mullahs und Ölscheichs. Sie sind schon kurzfristig rentabel. Bei Photovoltaik und Windkraft liegen die echten Stromgestehungskosten je nach GrĂ¶ĂŸe der Anlage inklusive Förderungen und RĂŒckbau sowie Recycling bei sechs bis zwölf Cent pro kWh. Wessen Interesse vertritt also Ursula von der Leyen, wenn sie das Aus fĂŒr die Atomkraft als strategischen Fehler bezeichnet? Die der Bevölkerung? Oder die der Atomlobby?

17. Juli 2026

Sicherheitsrisiko FPÖ?

2026-07-17T11:10:26+02:0017.07.26, 11:09 |Kategorien: Geschichte und Rechtsextremismus|

WĂ€hrend in Deutschland darĂŒber diskutiert wird, ob die AfD wegen ihrer politischen Ausrichtung und Praxis verboten werden soll oder muss, hat sich deren Schwesterpartei FPÖ in den heimischen Machtstrukturen fest etabliert und arbeitet an der „Zerstörung des Systems“ – so jedenfalls Bundeskanzler Christian Stocker. Interessanterweise stört ihn nicht, dass die Partei in fĂŒnf Landesregierungen mit seiner ÖVP koaliert. Unter ganau diesem Titel habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar verfasst:

Wie gefĂ€hrdet ist unsere Demokratie? Polen und Ungarn waren schließlich schon sehr nahe dran an der Etablierung autoritĂ€rer Strukturen. Nur die Allianz von konservativen und linken KrĂ€ften hat in beiden LĂ€ndern einen Turnaround eingeleitet.

Und Österreich? Hier schafft es die FPÖ regelmĂ€ĂŸig, die Grenzen zwischen rechtsextrem und konservativ zu verwischen. Allein im freiheitlichen Parlamentsklub wird und wurden viele Personen aus dem Umfeld der rechtsextremen „IdentitĂ€ren Bewegung“ beschĂ€ftigt. Auch Vorarlberg ist betroffen. Der Verfassungsschutz sieht darin ein Sicherheitsrisiko.

NationalratsprĂ€sident Walter Rosenkranz und der FPÖ-Klubdirektor sehen das anders und haben in den vergangenen Monaten diese Anstellungen verteidigt, von „lupenreinen Demokraten“ gesprochen, aber zugegeben: „Risiko gibt es ĂŒberall.“ Eine ÜberprĂŒfung der Mitarbeiter wurde abgelehnt.

Immerhin kann der Verfassungsschutz seinen Aufgaben inzwischen wieder nachgehen. Es war Herbert Kickl, der ihm in seiner Amtszeit als Innenminister durch Razzien massiven Schaden zugefĂŒgt hat. Westliche Geheimdienste trauten Österreich nicht mehr und schrĂ€nkten Zusammenarbeit und Informationsaustausch massiv ein. Sicherheitsrisiko FPÖ? Die Frage ist mehr als nur berechtigt, wenn man die zahlreichen Verflechtungen zwischen FPÖ und IdentitĂ€ren betrachtet.

Zunehmend war zuletzt bei Auftritten von FPÖ-Mitarbeitern auch Gewalt im Spiel. Die Plattform „Stoppt die Rechten“ hat ein Video veröffentlicht, das eine brutale Attacke des inzwischen Ex-Sprechers der Wiener IdentitĂ€ren auf einen Passanten direkt vor dem Parlament zeigt. Mit dabei ein – seither ehemaliger – FPÖ-Mitarbeiter. Als vor zwei Wochen in Leoben ein Taxifahrer brutal verprĂŒgelt wurde, weil er „Sieg Heil“-Rufe in seinem Auto nicht dulden wollte, waren die TatverdĂ€chtigen ebenfalls IdentitĂ€re und ein FPÖ-Parlamentsmitarbeiter.

An der zunehmenden RadikalitĂ€t der Partei wird sich wohl auch in Zukunft nichts Ă€ndern: Der wegen NS-WiederbetĂ€tigung zu einem Jahr bedingter Haft verurteilte RenĂ© Schimanek, Ex-BĂŒroleiter von NationalratsprĂ€sident Walter Rosenkranz, ist inzwischen beim FPÖ-Bildungsinstitut tĂ€tig. Welche „Bildung“ er da wohl vermittelt?!
Auf Bundesebene warnt Bundeskanzler Christian Stocker vor einer „Republik in TrĂŒmmern“. Die FPÖ wolle die „Zerstörung des Systems“, ihre Sprache sei von „VerĂ€chtlichmachung und HerabwĂŒrdigung“ geprĂ€gt. Angesichts der Geschichte wisse man, „wohin das fĂŒhrt“.

Sein ÖVP-Parteikollege Markus Wallner ist leider weniger beunruhigt. Er sitzt mit diesen „Zerstörern“ in einer Koalition. Es wĂ€re an der Zeit fĂŒr – zumindest – deutliche Worte, beschĂ€ftigt laut „Standard“ doch auch der Vorarlberger Nationalratsabgeordnete Manuel Litzke einen IdentitĂ€ren!

3. Juli 2026

Hilfe fĂŒr Herbert Kickl!

2026-07-03T12:22:12+02:0003.07.26, 12:06 |Kategorien: Allgemein, Geschichte und Rechtsextremismus|Tags: , , |

Herbert Kickl ist kein Nazi, seine Sprache bereitet der extremen Rechten aber den BodenHerbert Kickl weiß nicht, warum das Wort „Remigration“ „so böse sein soll“. Ihm kann geholfen werden. Er ist kein Nazi, seine Sprache bereitet der extremen Rechten aber den Boden. Unter dem Titel „Vergiftete Sprache“ habe ich dazu in den Vorarlberger Nachrichten einen Kommentar geschrieben:

Remigration? „Ich weiß nicht, was an diesem Wort so böse sein soll“, meint FPÖ-Chef Herbert Kickl. Seine Partei bewirbt den Begriff in einem KI-generierten Video als „Sommerhit“: „Airbert One – Der Remigrationssong“. Mit dabei ist eine ebenso typische wie unappetitliche kalkulierte Provokation. In Anlehnung an Leopold Figls berĂŒhmten Satz nach Unterzeichnung des Staatsvertrags heißt es bei Kickl: „Remigration – tschĂŒss, tschĂŒss, tschĂŒss. Österreich ist frei!“

Herr Kickl weiß natĂŒrlich, was am Begriff „böse“ ist. Er kennt den Verfassungsschutzbericht aus seinem ehemaligen Ministerium. Dort heißt es, der Begriff sei „völkisch aufgeladen“ und bedeute, dass neben Asylsuchenden auch „nicht assimilierte StaatsbĂŒrgerinnen und StaatsbĂŒrger zwangsweise außer Landes gebracht werden sollen“. Massendeportationen also. Auch das deutsche Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz sieht das so. Der Begriff sei „menschenwĂŒrdewidrig“ und stelle auf „die Ausweisung aller ‚Volksfremden‘ ab“.
Martin Sellner, Chef der rechtsextremen IdentitĂ€ren, hat den Begriff verbreitet. Er will millionenfache Massenabschiebungen aus Deutschland und Österreich. Und er hat enge VerbĂŒndete in der FPÖ. Laut „profil“ marschieren die „FPÖ und der Rechtsextremist Martin Sellner“ diesbezĂŒglich „politisch im Gleichschritt“.
Und sie sind erfolgreich. Wie weit der politische Diskurs in Österreich inzwischen nach Rechtsaußen verschoben worden ist, zeigt die Tatsache, dass „Remigration“ sogar Schwesterparteien der FPÖ wie dem „Rassemblement National“ in Frankreich zu extrem und „mit unseren GrundsĂ€tzen unvereinbar“ ist, so Parteichef Jordan Bardella.

Wir erleben in Österreich seit Jahren, dass Unsagbares sagbar wird, dass menschenverachtende AusdrĂŒcke in die Alltagssprache ĂŒbernommen werden. Wer Macht ĂŒber die Sprache hat, der prĂ€gt das Denken der Menschen. Dem spĂ€teren Propagandaminister Joseph Goebbels ist es schon vor der NS-MachtĂŒbernahme perfekt gelungen, Sprache als politische Waffe zu gebrauchen und Gruppen von Menschen auszugrenzen. Das Resultat ist bekannt. Auch die derzeitigen Kriege werden begleitet von einem Krieg der Worte.

In der Demokratie können und mĂŒssen wir uns gegen die schleichende Vergiftung unserer Sprache mit gefĂ€hrlichen Begriffen wehren. In Diktaturen ist das nicht mehr möglich.

Dass ausgerechnet Innenminister Gerhard Karner einen Ă€hnlich gefĂ€hrlichen Begriff der Rechtsextremen aufgreift, ist bedenklich. Noch bedenklicher ist allerdings, dass dies in der politischen Diskussion in Österreich kaum thematisiert wird. In der ORF-Pressestunde hat er die Asylstatistik prĂ€sentiert und den FPÖ-Begriff „Minuszuwanderung“ verwendet. Das ist Wasser auf die MĂŒhlen der Rechtsextremen. Er mĂŒsste eigentlich wissen, dass Asyl ein Grundrecht fĂŒr gefĂ€hrdete Menschen ist und keine Zuwanderung.

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WofĂŒr ich stehe?

Ich stehe fĂŒr soziale Gerechtigkeit, bessere Schulen, Klimaschutz, Antirassismus, Integration, Grundrechte und Tierschutz.

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Meine Arbeit

Hier veröffentliche politische Kommentare. Sie erfahren auch alles ĂŒber meine Arbeit aus meiner Zeit im Nationalrat (2008-2017): Reden, AntrĂ€ge und Ausschussarbeit.


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